Wasser fließt in ewiger Dunkelheit
Die Schandtauberhöhle bei Rothenburg ist die größte Muschelkalkhöhle Süddeutschlands

BETTENFELD (hma) – Mancher Ortsfremde hat sich schon verwundert die Augen gerieben: ein unscheinbarer Rübenacker, ein paar gewöhnliche Obstbäume – und daneben das Schild „Naturschutzgebiet“. Was an dem zwölf Hektar großen Gelände am Ortsrand von Bettenfeld ökologisch wertvoll sein soll, erschließt sich dem Betrachter auch nicht auf den zweiten Blick. Kein Wunder, hat er es doch mit dem einzigen unterirdischen Naturschutzgebiet Mittelfrankens zu tun.

Bettenfeld liegt etwa fünf Kilometer südwestlich von Rothenburg, nahe der baden-württembergischen Landesgrenze. Rund 150 Einwohner zählt das abgelegene Kirchdorf. Im Osten steigt die Frankenhöhe an, im Westen erstreckt sich die Hohenloher Ebene. Diese baut sich von Gesteinen des Muschelkalks und des Lettenkeupers auf. Es ist eine ausgeprägte Karstlandschaft.

In Bettenfeld hat die Schandtauber, ein Nebenfluß der Tauber, ihren Ursprung. Wie bei anderen Karstquellen markiert die Stelle, wo das Wasser zutage tritt, nur den Übergang vom unterirdischen zum oberirdischen Lauf. Mit anderen Worten: Bis zur Quelle hat die Schandtauber schon einige Kilometer zurückgelegt. Strenggenommen nimmt sie nämlich bereits bei Gammesfeld auf baden-württembergischem Gebiet ihren Anfang. Unterwegs nach Bettenfeld wird der unsichtbare Bach durch einen Steinbruch freigelegt, taucht aber wieder in den zerklüfteten Untergrund ab.

Fachleute sprechen davon, daß der kleine Fluß das Rückgrat im unterirdischen Entwässerungssystem für ein über 60 Quadratkilometer großes Gebiet bildet. Deutlich wird dies oberhalb von Bettenfeld, wo durch einen trockenen Talgraben nur nach ergiebigen Regenfällen ein Wildbach rauscht. Unter der Erdoberfläche fließt die Schandtauber in diesem Bereich durch Gänge und Hohlräume. Es ist die Schandtauberhöhle, die in einer Fachpublikation einmal als „eine der bedeutendsten karst- und höhlenkundlichen Entdeckungen der letzten Jahre in Deutschland“ bezeichnet worden ist.

Mit einer Länge von mehr als einen Kilometer handelt es sich nicht nur um die einzige aktive, also wasserführende Höhle, sondern auch um die größte bekannte Muschelkalkhöhle in Süddeutschland. Als ständig wasserdurchflossene Höhle stellt sie nichts anderes dar als das „Mündungsdelta“ eines unterirdischen Flusses an die Erdoberfläche – die Karstquelle in Bettenfeld.

Wissenschaftler aus Stuttgart und Freiburg, Erlangen und Nürnberg haben das Phänomen ausgiebig untersucht. Eine Besonderheit sind die sogenannten Lehmtropfsteine, Gebilde aus einer Mischung von Sinter und Lehm. Zu den wenigen Bewohnern zählt eine seltene Höhlenschneckenart. Regelmäßig überwintern Fledermäuse in den höhergelegenen Teilen. Seit 1984 steht die Schandtauberhöhle, die über weite Strecken nur mit einer Taucherausrüstung begangen werden kann und wegen ihres hohen Ranges verschlossen ist, unter Naturschutz.

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