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Nürnberg, 17. November 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Freude für alle - das schreibt sich so leicht und ist doch so schwierig umzusetzen. Weil eben nicht alle Grund zur Freude haben. Für uns als Verlag und Redaktion ist "Freude für alle" deshalb seit fast einem halben Jahrhundert genau der richtige Titel für unsere Weihnachtsaktion, die seit einer Woche wieder angelaufen ist. Ich möchte Ihnen mit einem Blick hinter die Kulissen die Aktion heute etwas ausführlicher vorstellen. Warum? Weil ich überzeugt bin, dass Freude für uns alle ein erstrebenswertes Ziel ist! Und weil es viele Menschen in unserer Mitte gibt, die es ohne Unterstützung einfach nicht schaffen, auf die Beine zu kommen.


"Erste Hilfe" von der Redaktion


Eine angenehme Aufgabe: Wolfgang Heilig-Achneck (2. v. r.) nimmt nach einem Benefizturnier den Scheck des Lions-Clubs Nürnberg im Golfclub am Reichswald über stolze 6000 Euro entgegen. Foto: privat


Die Geschäftswelt hat das größte Fest im Jahr seit Wochen im Blick – aber auch in der Redaktion ist die Vorweihnachtszeit inzwischen angebrochen: Seit einer Woche läuft die diesjährige Spendenaktion "Freude für alle" der Nürnberger Nachrichten mit all ihren Ausgaben in der Region. Zum 48. Mal stellt die Redaktion in täglichen Porträts und Reportagen beispielhaft Schicksale von Familien und Alleinstehenden vor, die mit Armut zu kämpfen haben oder auch akut in Not geraten sind. Wer nicht nur die Aktion insgesamt, sondern auch ganz speziell einzelne Bedürftige unterstützen will, kann in bewährter Weise auch wieder gezielt und zweckgebunden spenden. Alle Informationen und die täglichen Aufrufe finden Sie auch unter nordbayern.de

Dass "Freude für alle" keine Sache von wenigen Wochen ist, beschreibt mein Kollege Wolfgang Heilig-Achneck, einer der Motoren der Aktion (sein Porträt finden Sie am Ende dieses Newsletters):

"Das Aktionsbüro war allerdings auch das ganze Jahr hindurch immer wieder gefragt und gefordert. Wöchentlich, beinahe Tag für Tag, gehen Bitten und Hilferufe ein, nicht selten angesichts akuter Notlagen. Zu den Auslösern gehören vor allem schwere Erkrankungen und deren Folgen, aber auch die Trennung von Paaren. Wenn dann – in der Regel – Frauen mit Kindern zu Alleinerziehenden werden, kommen zu den emotional belastenden Erfahrungen schnell materielle Nöte."

Wenn es „brennt“, leistet die NN-Aktion rasche Hilfe, wo es geht. Oft ist die NN-Aktion dabei so etwas wie der letzte Rettungsanker, um eine Zuspitzung der sozialen Not oder gar einen „Absturz“ wie etwa einen Wohnungsverlust zu vermeiden. In anderen Fällen müssen sich Betroffene allerdings gedulden bis zur „regulären“ Weihnachtsaktion. Grundsätzlich ist übrigens ein begründeter Vorschlag eines sozialen Fachdienstes Voraussetzung für eine Hilfe.

Ein typisches Beispiel: Eine schwere rheumatische Erkrankung machte eine 45-jährige Arzthelferin nach 25 Jahren im Beruf erwerbsunfähig, schwerbehindert und pflegebedürftig. Ihr Mann stand die Belastung aber nicht durch und zog aus. Trotz Pflegeleistungen wurde es bald eng, in der Phase bis zur Regelung aller Ansprüche drohte sogar ein Verlust der Wohnung. Die Aktion "Freude für alle" half, eine besonders kritische Phase zu überbrücken. Ähnlich wichtig war die Hilfe für eine 13-jährige Schülerin. Sie will und soll eine Ganztagseinrichtung besuchen. Doch die Eltern – beide arbeitslos – konnten die dafür fälligen Monatsbeiträge nicht aufbringen.

Insgesamt wurden der Aktion "Freude für alle" über die Jahrzehnte hinweg insgesamt an die 50 Millionen Euro anvertraut. Und seit dem Abschluss der letzten und dem Beginn der neuen Weihnachtsaktion durfte sich das Aktionsbüro zwischen Februar und Oktober über Zuwendungen von insgesamt gut 35000 Euro freuen. Ein herzliches Dankeschön gilt dabei besonders all jenen Leserinnen und Lesern, die anlässlich runder Geburtstage auf Geschenke verzichteten und ihre Verwandten und Bekannten dafür um Einlagen in einen Spendentopf baten. Dazu kamen einige größere Zuwendungen, allen voran von der Fürther Kuhlmann-Stiftung und aus der Spendensammlung beim sommerlichen Open-Air-Konzert der Big Band der Bundeswehr in Erlangen. Damit konnte "Freude für alle" wiederum jeweils mehrere Dutzend Familien und Alleinstehende bedenken.

Mir bleibt nur ein dickes Dankeschön zu sagen an alle Beteiligten dieser großartigen Aktion - die Kolleginnen und Kollegen unseres Hauses, den Verlag und natürlich ganz besonders an Sie, unsere Leserinnen und Leser, denn ohne Ihre Spenden wäre die Aktion nicht denkbar.

Herzlich grüßt

Ihr Michael Husarek





Porträt Wolfgang Heilig-Achneck

 

 



 

 

Foto: Eduard Weigert

Wolfgang Heilig-Achneck arbeitet in der Lokalredaktion Nürnberg. Kürzel: (woh) und für "Freude für alle"

Die Zeitung auf dem Frühstückstisch – mit dieser Selbstverständlichkeit bin ich aufgewachsen. Und ja, ich gehöre noch zu der Generation, die wenigstens „mal kurz durchblättern“ will, ehe es aus dem Haus geht, sei es zur Ausbildung, zur Arbeit oder irgendwelchen Besorgungen. Das gilt auch noch heute, in einer Zeit, in der sich erschütternde Weltneuheiten ebenso wie erschreckende Belanglosigkeiten längst beinahe in Echtzeit auf anderen Kanälen verbreiten. Vielleicht gerade deshalb: Schwarz auf weiß nehme ich Informationen, gerade auch weniger spektakuläre, immer noch am gründlichsten auf.

Und doch hatte ich es mir lange nicht recht vorstellen können, einmal selbst als Journalist zu arbeiten. Aus einem scheinbar banalen Grund: Texte „auf Knopfdruck“ zu produzieren, in vielleicht nur einer oder zwei Stunden (oder noch schneller und nur selten mit etwas mehr Zeit), davor hatte ich fast ein wenig Panik. Kein Wunder: Im Studium – bei mir war es die Kombination von Französisch und Deutsch – wurde das nicht verlangt. Mehr noch: Wer sorgfältig und gründlich arbeiten wollte, so dachte auch ich, konnte das unmöglich mit der Stoppuhr in der Hand schaffen. Doch dann gaben mir Kurse, Seminare und Praktika die Chance, diese Vorbehalte zu überwinden. Auch Journalismus ist eben zumindest zu einem gehörigen Teil Handwerk, Übung, Erfahrung.

Inzwischen bin ich seit mehr als 25 Jahren in unserer Nürnberger Lokalredaktion tätig. Und zugegeben: Auch das hätte ich mir damals kaum so vorstellen können. Langweilig ist es nie geworden. Denn es gibt jeden Tag etwas zu entdecken – und zu berichten. Und das bedeutet vor allem, Menschen zu treffen, bekannte und weniger bekannte, vertraute und weniger vertraute. Was ich am meisten schätze: Bei Veranstaltungen, Recherchen und Terminen treffe ich nicht nur die vielzitierten „üblichen Verdächtigen“ und mehr oder weniger bekannte Verantwortliche. Sondern ich habe auch die Chance und das Glück, fast laufend Menschen zu begegnen, mit denen ich noch nie zu tun hatte oder es auch nie hätte.

Das gilt ganz besonders für eine besondere Aufgabe: Seit mehr als 15 Jahren betreue ich – an der Seite des „Vaters“ der Weihnachtsaktion, Siegfried Ruckdeschel und von Lydia Brunner – die jährliche Spendenaktion "Freude für alle". Zu sehen und zu schildern, wie Menschen in Bedrängnis geraten, geht mir oft lange nach. Da wünschte ich mir oft, die Presse hätte tatsächlich so viel Einfluss, wie oft behauptet und einfach unterstellt wird. Denn dann wäre nicht passiert, was einem 37-Jährigen nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit beinahe die Rückkehr in einen Job verbaut hätte: Das Jobcenter zahlte ihm zwar eine Weiterbildung. Aber für die Brille, die er nach Fahr- und Theoriestunden dringend benötigte, wollte weder das Jobcenter noch seine Krankenkasse aufkommen, nicht mal per Darlehen. Und das Schicksal, zwischen den Rastern der Zuständigkeiten durchzurutschen, trifft mehr Menschen als gemeinhin bekannt wird. Gerade im Kleinen und Alltäglichen, in handfesten Einzelschicksalen zeigen sich Ungerechtigkeiten und Schwächen unseres sonst zu Recht gelobten Sozialstaats – so trefflich sich auch darüber streiten lässt, wie groß die soziale Schieflage im Land ist.




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